Frontiers – Warum sollte man noch Western spielen?

Morgen improvisiere ich mit meinen Kollegen vom Theater ohne Probe die Premiere zu unserem neuen Format: Frontiers! Wir versuchen uns in diesem Format an der stilistischen Bandbreite des Western. Von klassischem Western über den Italowestern und Karl May bis hin zum Neo-Western wollen wir uns an den Unterschieden und Gemeinsamkeiten versuchen.

Aber Warum? Warum will man heute im Theater sich einen Western ansehen und das auch noch improvisiert? Mich persönlich interessieren die Fragen im Western mehr, als die Klischees um breitbeinige Cowboys. Der Western feiert schließlich anfänglich den Gründungsmythos der USA, mit dem Abenteuergeist, der die Grenzen heldenhaft immer weiter gen Westen verschiebt. Aber das sind oft nur Mythen, die bewusst oder unbewusst falsch gelesen werden, womit die Western aus Italien und dann später auch aus den Staaten brechen. Heute beschäftigen sich neuere Western oft mit bisher unerzählten Geschichten und unbequemen Wahrheiten. Plötzlich ist vom Genozid an den Ureinwohnern die Rede oder von den Ängsten und Entbehrungen der weißen Siedler im wahrlich wilden Westen.

Aber egal aus welchem Jahrzehnt ein Western stammt oder ob er vor oder hinter dem Eisernen Vorhang entstanden ist, gemeinsam sind ihnen die Frontiers. Diese imaginären Grenzen, welche die stetigen Veränderungen im Westen anzeigen. Da sind Weiße, dort noch nicht, hier gibt es die Eisenbahn, dort nur die Postkutsche, da herrscht noch Wildnis und hier wird bereits das Recht an den Meistbietenden verkauft. Der Westen der USA war in kürzester Zeit von Vielzahl von Veränderungen und Wandlungen betroffen. Sicher nicht in diesem Ausmaß, aber dennoch stehen wir auch heute vielen Veränderungen gegenüber und müssen uns entscheiden. Daher denke ich, dass uns ein Western, improvisiert und auf einer Bühne, heute eine Menge zu sagen haben kann.

Ob wir morgen vieles zu sagen haben, werden wir sehen müssen. Aber wenn wir es nicht versuchen, werden wir es auch nicht herausfinden. Ich bin gespannt!

Di, 28. April 2015, 20:00 / Berlin
PREMIERE: Frontiers – der ToP Western
Ort: Brotfabrik Berlin, Caligariplatz 1, 13086 Berlin

Wikipedia ohne Probe in Potsdam

Am vergangenen Samstag war das Theater ohne Probe zu Gast beim 4. Potsdamer Improtheater Festival und präsentierte das Format „Wikipedia ohne Probe“. Um mit der Wikipedia fachkundig zu improvisieren, hatten wir uns den Autoren Schlesinger eingeladen, der seit Jahre in der Wikipedia schreibt. Über den Abend hat er im Kurier der Wikipedia folgenden Artikel verfasst. Damit haben wir jetzt einen Artikel in der Wikipedia 😉

Wikipedia im Theater

Im Programm des vierten Potsdamer Festivals für Improvisationstheater stand am Samstagabend, 15. November die Wikipedia zum Zerlegen auf dem Programm. Professionelle Schauspieler des Theaters ohne Probe wollten sich die ungeschriebenen Artikel der Wikipedia für ihre Comedy-Show vorknöpfen und luden sich daher einen Wikipediaautor in Person von Schlesinger ein, der ihnen die dunkle Seite, aber auch weniger Schönes aus der weltgrößten Enzyklopädie zeigte.

Das Theater ohne Probe improvisiert mit der Wikipedia. Foto: Potsdamer Improtheater Festival

Das Publikum im ausverkauften Saal des Potsdamer studentischen Kulturzentrums KuZe genoss die dermaßen ernsthaft erscheinende Improvisation der Truppe, als sie nicht existierende Artikel der auf die Leinwand projizierten Seite Wikipedia:Artikelwünsche enzyklopädisch-virtuos vertonte, sozusagen ein audiovisuelles Feuerwerk der Relevanz. Zu toben begann der Saal allerdings, als Wikipedias Schweinkramseite erschien und selbst bei den Schauspielern Kicheranfälle drohten. Wieder gesitteter ging es zu, als dem Publikum bestimmte Mechanismen der Löschpraxis erläutert wurden, schließlich waren im vollen Saal auch drei Zuschauer anwesend, die einmal versucht haben, einen Artikel in der Wikipedia zu platzieren. Zwei davon sollen wohl noch Bestand haben.

Publikumswünsche wurden natürlich auch erfüllt, was dazu führte, dass zwei Damen die Besteigung eines Tiroler Zweitausenders improvisierten, eine akrobatische Meisterleistung der Verrenkung. Als dann noch Schlesingers neuer Artikel über ein französisches Chanson vertont werden musste, gab es kein Zurück. Der Pianist tat sein Bestes im finstersten c-Moll, die Frontfrau sang mit Hingabe und Schmalz etwas völlig anderes, der Backgroundchor intonierte ein gefühliges Padam … padam und das Publikum konnte nicht mehr.

So ging das den ganzen Abend: Wikipedia als Opfer der Satire – ein großer Erfolg für ein Theater, das die Kunstform der Improvisation in Sprechtheater, Gesang und Pantomime perfektioniert hat. Sc 18.11.

Formatreiche Improwoche

In dieser Woche habe ich das große Glück, gleich drei Mal in Folge mit unterschiedlichen Improformaten auf der Bühne zu stehen. Wie vielfältig Improtheater sein kann, zeigen die kommenden Tage. Morgen (Donnerstag 12.06.2014) gibt es eine neue Auflage von „Lesung trifft Impro“. Gemeinsam mit Dirk Lausch wird aus mitgebrachten Texten gelesen und darüber improvisiert. Wir sind nicht zum ersten Mal am Rüdesheimer Platz und auch nicht zum ersten Mal im IBZ zu Gast, aber bisher hatten wir dort immer einen schönen Abend und ein super nettes Publikum.

Am Freitag (13.06.14) gibt es die Jubiläumsausgabe der Impropedia. Seit nun schon einem Jahr laden wir am 2. Freitag im Monat Experten ins KuZe ein und lassen ihre Themen mit Improtheater aufspielen. Alle 12 Shows waren hoch spannend, lehrreich und höchst unterhaltsam. Am Freitag wird aber alles etwas anders sein. Ein spezieller Experte wird auf ein Allstarteam treffen und wir feiern den ersten Geburtstag dieses Formats.
Am Samstag (14.06.14) geht es dann mit dem Bus nach Hamburg, wo das Theater ohne Probe in der Bühne im Bürgerpark zu Gast bei Stadtgespräch ist. Welches Format wir dort spielen, wird sich noch zeigen. Bisher ist ein Theatersportmatch angekündigt, was ich nach langer Zeit auch gern einmal wieder spielen würde. Also, diese Woche hat eine Menge zu bieten. Ich freue mich darauf und jetzt Bühne frei!

Video von „Im Sinne von Brecht“

Am 11. Mai war das Theater ohne Probe zu Gast beim Impro à la carte! Festival in Karlsruhe. Dort zeigten wir erstmals außerhalb Berlins unser Format „Im Sinne von Brecht“ was versucht, die Ideen des Epischen Theaters spontan auf die Bühne zu bringen.

Videos von Theateraufführungen haben immer ihre Schwächen, besonders wenn nur mit einer Kamera gefilmt wird. Und ganz besonders Improvisationstheater scheint sich besonders gegen das Mitschneiden zu sperren. Aber der Mitschnitt unseres Auftritts ist doch recht sehenswert und man erkennt, was wir mit dem Format wollen.

Und großen Dank an die Festivalmacher von Serviervorschlag, die uns die Möglichkeit zum Auftritt gaben und auch den Mitschnitt erstellten.

Publikumsgespräch nach Improtheater

Man kommt nach Vorstellungen immer wieder mit Zuschauern ins Gespräch. Diese meist kurzen Unterhaltungen sind manchmal seltsam, oft freundlich und selten hilfreich. Man spricht über das Wie der Improvisation, aber kaum bis nie über den Inhalt. Warum sollte man bei Improvisiationen auch über den Inhalt sprechen?

Für „Im Sinne von Brecht“ haben wir nun ein Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellungen eingeführt. Bei den letzten beiden, ging es natürlich auch um Improvisation, aber auch um den Inhalt. Diese inhaltliche Diskussion ist im Sinne von Brecht und für uns neu. Nun beginnt man über das Gespielte zu diskutieren, muss sich als Improvisierer fragen lassen, wieviel eigene Haltung in der gesamten Geschichte aufgegangen ist. Damit wird eine Theatervorstellung spontan zur moralischen Frage. Das fordert aber auch von den Improvisierern Kenntnis, Haltung und die Fähigkeit eine Diskussion zu führen. Hier gilt es also sich weiter weiterzubilden.

Werbung im Obdachlosenmagazin

Morgen improvisiert das Theater ohne Probe „Im Sinne von Brecht“ in der Brotfabrik Berlin. Bereits vor einigen Wochen wurde ich angeschrieben, ob wir nicht damit Veranstaltungstipp im Berliner Obdachlosenmagazin Strassenfeger sein wollen. Natürlich habe ich ja gesagt.

Mir war ehrlich gesagt nicht klar, dass es überhaupt eine Veranstaltungsrubrik im Strassenfeger gibt. Nun sind wir drin mit Bild. Und für die Straßenverkäufer hat es auch etwas gebracht, ich habe die letzten 3 Ausgaben gekauft und jedes Mal mehr bezahlt, als ich hätte müssen. Vielleicht hätte ich nach einer Quittung fragen soll…

Foto vom Straßenfeger

Theater ohne Probe in den Veranstaltungshinweisen des Strassenfegers

Ich weiß auch, dass man nicht über Werbung schreiben sollte, aber das fand ich doch schon bemerkenswert. Am meisten gespannt bin ich, ob der ein oder andere Zuschauer aufgrund des Hinweises im Strassenfeger kommt. Als wir mit der Premiere des Formats Tagestipp im Tipp waren, hat uns das keine Zuschauer angelockt.

Für mich steht aber fest, dass wir das nächste Mal mit dem Strassenfeger einen Deal ausmachen, zum Beispiel dass wer mit der Seite an die Kasse kommt, nur den ermäßigten Preis zahlen muss. Denn hier geht es um einen guten Zweck und da kann man auch weiter Gutes tun.

Werbung mit QR Codes

Wenn man selbst Kunst und Kultur organisiert, dann muss man dafür auch Werbung machen. Postkarten sind ein häufig genutztes Mittel. Für Berlin fürchte ich oft, dass die Schwemme an Postkarten eher gegenteilige Effekte hat, aber es ist vielleicht die einfachste und kostengünstigste Variante. Nun spielen wir vom Theater ohne Probe an verschiedenen Orten verschiedene Formate. Immer wieder stehen unsere Termine oder das gewählte Format jedoch erst recht kurzfristig fest, so dass sich dafür eine extra Postkartenproduktion einfach nicht lohnt. Daher haben wir uns für eine allgemeine Postkarte fürs Theater ohne Probe entschieden, auf der weder Termine noch Formate stehen.

Um die allgemeinen ToP-Postkarten aber auch als Werbeträger für besondere Formate zu nutzen, verwende ich bedruckbare Aufkleber. Nun will ich aber nicht nur den Titel des Formats, Datum, Zeit und Ort auf der Postkarte haben. Am liebsten hätte ich natürlich, dass die/der PostkartenleserIn auf unserer Homepage surft, wo sie sich weiter informieren und am besten gleich Karten reservieren kann. Dafür experimentiere ich erstmals mit QR-Codes.

Foto  von Postkarte, auf die ein QR Code geklebt wurde

ToP-Postkarten mit QR Code

QR-Codes (Quick Response) verbreitet sich als einfache Möglichkeit Webadressen zu vermitteln immer mehr, weil auch immer mehr Menschen über ein Smartphone verfügen, mit dem das Scannen einfach ist. Zum Erstellen der QR-Codes verwende ich die Seite http://www.qrcode-monkey.de/. Da kann man nicht nur Webadressen eintragen, sondern auch Texte, Telefonnummern oder vieles andere mehr. Wer nun diesen Code scannt, wird entweder direkt auf die entspreche Webseite weitergeleitet oder bekommt die enthaltenen Information angezeigt. Ob und wie es für die Zielgruppe funktioniert, läßt sich für mich leider nur raten, da ich keine belastbaren Zugriffsdaten auf unsere Homepage habe. Ich denke dennoch, dass es sich lohnt an der Sache dran zu bleiben.

Eine erste Erfahrung kann ich aber schon weitergeben. Wichtig ist, dass die QR-Codes genügend Kontrast haben. Ursprünglich wollte ich die QR-Codes im ToP-Orange drucken, wobei ich aber feststellen mußte, dass es da immer wieder zu Problemen mit dem Scan kam. Die Codes in Schwarz bereiten hingegen keine Probleme. Testen kann man das gleich hier oben im Foto – einfach das Smartphone ranhalten und scannen.

Mich würde noch interessieren, ob hier jemand mitliest und auch QR-Codes verwendet? Funktionieren QR-Codes für Euch? Oder habt Ihr Fragen?

Es ist gut: Smartphone in der Kulturveranstaltung

Das Portal livekritik.de rief mit der Frage: Via Smartphone live aus einer Kulturveranstaltung berichten – gut oder schlecht? zu einer Blogparade auf. Dabei schreiben Autoren anderer Blogs Artikel um die Frage zu beantworten, was ich hiermit tun will: Es ist gut.

Persönlich konnte ich drei positive Erfahrungen zum Socialmedia-Einsatz in und um Kulturveranstaltungen machen.

1. Ein spontanes Twittertreffen

Seit dem 5. August 2008 bin ich auf Twitter aktiv. Sicher bin ich nicht der „beste“ Twitterer, aber ich mag die Leute, denen ich da folge und mit denen ich im Austausch stehe. Auf der diesjährigen Impronale in Halle saß ich neben zwei Improkollegen, die ihrerseits Twitter nutzen. Bei der Suche nach Schlagwörtern, stießen wir noch auf einen Twitterer, der ebenfalls mit uns im Saal war. Nach Aufstehen und Winken vor der ersten Show, verabredeten wir uns in den Pausen im Foyer. Es stellte sich heraus, dass er kein Improspieler war, sondern ein interessierter Zuschauer. Also konnten wir uns angeregt unterhalten, was für beide Seiten spannend war, da wir auf verschiedene Dinge achteten. (Wir folgen uns übrigens bis heute.)

2. Die Vorgabenmaschiene

Mit meinem Ensemble vom Theater ohne Probe, haben wir in den letzten Shows die Zuschauer aufgerufen, uns während der Pause via Twitter oder Facebook Vorgaben für die zweite Hälfte einzusenden. Die Reaktionen waren verhalten, aber die Vorgaben schön, da sie überlegt waren. Natürlich hat noch nicht jeder ein internetfähiges Smartphone, aber es werden immer mehr. Wir sind auch bei weitem nicht die einzige Improgruppe, die sich Vorschläge über diese Kanäle einholt. So fragt zum Beispiel Paternoster regelmäßig zur Pause nach Vorgaben oder auch die Improbanden experimentierten bereits mit einem Twitterfall.

3. Wissen macht Neugier

Zur Hauptfrage der Blogparade gab es mehrere Unterfragen, wobei ich auch auf die letzte mit einem klaren Ja antworten kann: Und würdet ihr von zu Hause eine solche Berichterstattung verfolgen? Warum ich mir sicher bin? Ich verfolge. Nur als ein Beispiel sei hier das 24 Stundentheater der Brotfabrik Berlin genannt, bei dem binn 24 Stunden 4 Theaterstücke geschrieben, inszeniert und aufgeführt werden.

Die Brotfabrik ist bei mir direkt um die Ecke und ich will schon seit mindesten 3 Versuchen eine der Vorstellungen vom 24 Stundentheater sehen. Leider hat es bisher terminlich nie geklappt. Was die Macher aber sorgfältig tun, ist über die 24 Stunden hinweg zu twittern und zu facebooken. Daher verfolge ich das Geschehen stets und das hat mein Interesse mehr als geweckt. Und dies ist nur das Projekt eines Theaters, dem ich auf Twitter folge.

Es ist gut!

Für mich steht fest, dass es gut ist und wer heute mit Schülern im Theater sitzt, der weiß, dass es Realität ist: Es wird mit dem Smartphon aus Kulturveranstaltungen berichtet. Als Improvisateur freue ich micht, in Zukunft vor, während und nach einem Auftritt mit den Zuschauern weiter zu interagieren. Was da noch für Potential verborgen liegt, läßt sich heute nur erahnen.

Das Theater am Rand – wo Kunst nicht Beilage ist

Am vergangen Sonntag hatte ich das Vergnügen mit meiner lieben Kollegin Sonja Dif vom Theater ohne Probe bei einer Veranstaltung im Theater am Rand zu spielen. Dieses Kleinode der Kultur liegt direkt an der Oder in der kleinen Siedlung Zollbrücke. Eine Brücke gibt es schon lang nicht mehr, weshalb der geneigte Besucher schon weit vor seinem Ziel mit einem Einbahnstraßenschild begrüßt wird.

Uns hielt dieses Einbahnstraßenschild nicht auf. Wir fuhren trotz frisch gefallenem Schnee unvertrossen weiter und erreichten das Theater am Rand, das zurzeit von außen einer abgedeckten Baustelle gleicht. Denn das Theater wird umgebaut und befindet sich in Errichtung. Die Bühne existiert momentan nur als Bodenplatte und von der Kuppel noch keine Spur. Aber Platz ist in der kleinsten Hütte und Theater läßt sich überall spielen. So wurde vor die zwei überdachten Ränge ins Parkett eine schmale Bühne gestellt, eine riesige Bauplane als Rückwand, die vorm eisigen Winter Schutz bot.

Jedoch war nicht nur das Theater Baustelle, sondern auch die Veranstaltung, zu der wir angereist, war frisch aus der Werkbank gefallen. Das Premierenkind hatte den Name „BRandreden“ bekommen. Eine Veranstaltungsreihe, in der die Menschen der Region, die Oderbrücher aufs Podium steigen und ihre Meinung laut aussprechen sollen. Die Gründer des Theaters Tobias Morgenstern und Thomas Rühmann sind sich offenbar einig, dass Theater immer auch politisch ist und ein Platz zum Austausch bieten soll. Demokratie im besten Sinne einer Kultur des Redens und Streitens. Und wir mitten drin. Wunderbar.

Das Thema, dass den Menschen brandheiß auf Herz und Zunge lag, war die Energiegewinnung im Oderbruch. Mehr oder weniger Windparks? Wo sollten die Biogasanlagen stehen? Was können die Bürger mitbestimmen und bekommen sie ab vom Gewinn oder tragen sie die Kosten, weil der gute Ackerboden versiegelt und die Touristen vertrieben werden? Trotz schlechtestem Wetter hatte es eine beachtliche Anzahl an Oderbrüchern ins Theater geschafft und sie waren heiß zu reden.

Wozu nun aber die Kunst? Die Leute wollen doch sprechen? Und nur weil es in einem Theater stattfindet, muss auch noch die Kultureinlage sein? Etwas Kunst zwischen die Sorgen streuen, als Druckventil für all zu erhitzte Gemüter?

Im Gegenteil, denn schon Tobias Morgenstern, begabter Musiker an Arkordeon und Reim, stimmte auf die BRandreden mit einer Art Moritatgesang ein: „Nichts bleibt geheim!“ Die Kampfansage war gemacht. Dann ging ein Experte für erneuerbare Energien und bürgerbeteiligte Energieversorgung auf die Bühne und gab Einblick in die Komplexität des Themas – Gesetze, Kapital, Behörden und die Menschen mit ihren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen.

Und dann Impro? Was sollten wir dazwischen? Die Menschen aufwärmen – von den Temperaturen her sicher absolut notwendig, von den Gemütern her nicht. Zumal auch der Landrat anwesend war, an den so mancher sein Wort richten wollte. Aber gut, rauf auf die Bühne und rein in den Ring. Zuerst klar machen, dass wir auch keine kulturelle Sättigungsbeilage sind, sondern über Kommunikation und Akzeptieren sprechen und versuchen die Menschen im Raum zu öffnen.

Die Anmoderation ist noch ein Suchen – es wurde schon viel gesprochen – und dann sollen die Leute mitmachen. Nur eine kleine Übung. Erstes Lachen, das Eis ist gebrochen. Dann werden Namen ausgetauscht, gerufen und die Stimmung taut auf. Wir spielen zwei Szenen – in der zweiten muss sich Ministerpräsident Platzek bei einer Windraderöffnung die bohrenden Fragen einer Bürgerin gefallen lassen – die Zuschauer dürfen Begriffe hereinrufen und sie sind alle zur Sache, keiner um uns herauszufordern. Wir räumen die Bühne, den Anwesenden brennt das Thema mit all den Sorgen noch immer unter den Nägeln, aber nun wurde wenigstens schon darüber gelacht. Es folgen noch über eineinhalb Stunden Reden und Diskussion. In einem Theater, wo Kunst nicht Beilage sondern Werkzeug und Lösung ist.

Wir aßen anschließend und dankbar die kräftige Kartoffelsuppe und schlitterten dann langsam wieder zurück nach Berlin. Ein guter Sonntag, lebendige Demokratie mitten am Rand.

Improformate erfinden

Ich schätze ja am Improvisieren, dass man sich im Vorfeld keine Gedanken um den Inhalt machen kann, dafür aber viel Zeit ins Erfinden von Formaten stecken kann. Aus einen Gespräch ist erst letztens ein neues Format für das Theater ohne Probe entstanden. (Neu nur für das Theater ohne Probe, denn ich bin mir fast sicher, dass es dieses Format so irgendwo schon gibt.)

Aber wie kann man jemanden ein Format erklären? Am einfachsten mittels Zeichnung und so entstand zu „Take it from the ToP“ folgende Infoskizze. Das ist also in Grafik gegossener Improvisationsrahmen.

Skizze zu „Take it from the ToP“