Thomas Jäkel

„Was machst Du eigentlich?“

Thomas Jäkel, Foto Viviane Wild

„Was machst Du eigentlich?“ Diese Frage wird mir öfter gestellt und sie ist schwer zu beantworten. Menschen, die wie ich arbeiten, sind nicht in Kürze zu beschreiben. Wir passen nicht in gängige Muster. Kein Beruf, keine Stellung, kein Titel. Selbstständig zwar, dabei aber tätig in vielen Bereichen. Um etwas Struktur in die Sache zu bringen, kann ich drei Hauptbereiche benennen, die wiederum untrennbar miteinander verbunden sind.

1.      Improvisation und Theater
2.      Geschichte und Ihre Vermittlung
3.      Konzepte und Denkbares

1. Improvisation und Theater

Ich bin Improvisateur – ich spiele improvisiertes Theater. Mit meiner Kollegin Sonja Dif gründete ich das Theater ohne Probe in Berlin, wo besonders an neuen Formaten der Improvisation experimentiert wird. Wir treten auf, wir bespielen Veranstaltungen und geben Workshops.

Mit Impro-News.de bin ich ebenfalls als Mitbegründer und Redakteur an einem der wichtigsten Sprachrohre der deutschsprachigen Improtheaterszene beteiligt. Hier berichten wir über improvisiertes Theater.

Vernetzung und Weiterentwicklung versuche ich als Künstlerischer Leiter des Potsdamer Improtheater Festivals oder Mitorganisator des Berliner Impro Marathons zu stärken. Denn die Improvisation ist eine junge und sehr dynamische Kunstform.

Das Theater in seiner geprobten Form liegt mir aber auch am Herzen. Erste Erfahrungen in Inszenierungen konnte ich mit Matthias Senkel beim Greizer Theaterherbst sammeln. Das letzte große Projekt war die Inszenierung von Akim rennt mit meinen Kolleginen Sarah Mehlfeld und Christina Hillinger, für die wir die compagnie toit végétal gegründet haben.

Besonderen Spaß habe ich bei der Unterstützung von Inszenierungen – als Blick von außen, um Kreatives zu fördern und Ideen freizusetzen.

2. Geschichte und deren Vermittlung

Im Nachhinein bin ich froh, dass es nicht mit einem Regiestudium geklappt hat. Weil ich nicht Regie studieren konnte, begann ich 2002 ein Studium der Philosophie und Geschichte an der HU Berlin – was für mich näher am Theater war, als alles andere. (Wovon handelt Theater sonst?).

Mit einem großen Augenmerk auf Nachkriegsgeschichte, Kultur in Ost und West sowie meiner eigenen Herkunft aus einer kleinen Stadt in Thüringen wurde Berlin bald nicht nur Untersuchungs- sondern auch Anschauungsobjekt. Geschichte der DDR, Wiederaufbau, soziale Strukturen im Städtebau – alles Themen die man hier sehen und begehen kann.

Seit 2009 arbeite ich als freier Führungsreferent für das DDR Museum in Berlin. Daneben biete ich auch selbstständig Führungen an und habe großen Spaß neue thematische Verbindungen zu finden. Zusammenhänge und das „Warum“ sind mir bei meiner Arbeit wichtiger, als das „Wer“, „Wann“ und „Wo“. Zufrieden bin ich, wenn man die Geschichte als Prüfstein begreift, der uns mahnt, die Gesellschaft, in der wir leben, nicht als gegeben hinzunehmen.

3. Konzepte und Denkbares

Vieles über konzeptionelle Arbeit habe ich durch die Inszenierungen, im Studium der Geschichte und Philosophie aber auch bei meiner Tätigkeit in der BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft e.V., Berlin gelernt. In der BBA verantwortete ich bis zu meiner Selbstständigkeit Anfang 2012 den Bereich des Überbetrieblichen Unterrichts, welcher der Ausbildungsförderung dient. Bei dieser Arbeit durfte ich vom Konzept bis zur Betreuung der Veranstaltungen alles übernehmen und lernte nebenbei einiges an kaufmännischem Handwerkszeug.

Konzepte sind für mich ein kreatives Vergnügen. Beginnend mit der Analyse der Bedingungen – wie in der Philosophie und der Quellenkunde in der Geschichte erkundet man ein Gebiet. Dann gilt es Ziele zu definieren – genauso wie man die Vision eines Theaterstücks entwickelt. Und zwischen Analyse und Vision schließt man den Weg mittels Assoziation – die Grundlage der Improvisation ist. Hier kommt alles zusammen, weshalb ich auch eingangs über die drei Bereiche schrieb, dass sie: „untrennbar verbunden sind.“

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