Catfisch, Bob Dylan und mein Vater

Mein Vater hatte in den 90ern fürs Autoradio eine Kassette mit Liedern zusammengestellt, die er mochte – ein Mixtape. Zwischen all den Songs aus den 60ern und 70ern befand sich eingeklemmt „It’s All Over Now Baby Blue“ von Bob Dylan. Ebenso eingeklemmt auf der Rückbank unseres Toyota Corolla Kombis saß ich zwischen meinen Geschwistern und lauschte auf den Familienausfahrten jedes Mal gespannt diesem Lied. Es unterschied sich von den anderen, da es dunkler, beinahe schwarz war. Der Sänger schien es mit grauen Strichen auf schwarzem Hintergrund gemalt zu haben und sang vom Ende einer Liebe, dessen Schmerzlichkeit ich am Anfang meiner Teenagerjahre nicht erfassen konnte. Dennoch zog mich dieser Song in seinen Bann.

Ich fragte meinen Vater nach dem Sänger und hielt schließlich die in der DDR erschienene Amiga Schallplatte von Bob Dylans Greatest Hits in der Hand. Das war’s. Der Anfang meines Weges mit Bob Dylan war beschritten. Seit dem begleitet er mich und hat mich fundamental beeinflusst. So persönlich, aber doch völlig anders beginnt auch Maik Brüggemeyers Buch „Catfisch. Ein Bob Dylan Roman“, in dem sich der Rolling Stone Journalist auf eine Suche nach dem Bob Dylan begibt. Bereits der Hinweis auf der ersten Seite warnt jedoch den Leser, dass alle folgenden Begegnungen und Gespräche mit Bob Dylan im Roman erdacht, ersponnen und aus Liedtexten, Interviews und ähnlichem zusammengesetzt sind.

Nachdem ich nun das Buch auf einer Fahrt zu und wegen meines Vaters gelesen habe, muss ich sagen: Brüggemeyer hat Recht! Jeder findet in Dylan, was er in ihm sehen will – wie in einem Spiegel. Die Fans kennen sein Werk, jedes Lied, all die Wort, die Dylan zu mystischen Bildern verwoben hat. Aber der Teppich, der sich unter den Füßen von „Baby Blue“ bewegt, hat in meiner Vorstellung ein anderes Muster, als bei jedem anderen. Jeder sieht seine eigenen Bilder in Dylans Worten. Jeder erkennt in Dylans Werk nur seine Erkenntnisse. Und so hat sich Brüggemeyer auch nur auf seine Reise begeben und seine Bilder aufgeschrieben, die sich beim Lesen des Romans kurios mit meinen mischten.

Die große Erkenntnis aus „Catfish“ ist nicht in dem was beschrieben wurde, sondern das es beschrieben wurde. Der „Roman“ ist das Beispiel, was sagt: Hier, dass ist meine Welt mit Bob Dylan, so nun denk nach und blicke auf Deine!

Brüggemeyer gibt am Schluss des Buches Hinweise, wie man sein erstes Dylan Album auswählen könnte. Bei mir war es mein Vater, der sicher unbewußt, aber nachhaltig für mich gewählt hatte. Und nicht nur das! Meine Eltern fanden und schickten mir auch den Roman. Bob Dylan begleitet und inspiriert mich seit Anfang der 90er. Aber Zugang und Quelle dazu und zu vielem mehr waren immer wieder meine Eltern. Dafür bin ich sehr dankbar!
Danke Ma und danke Pa!

Maik Brüggemeyer
Catfish
Ein Bob Dylan-Roman
ISBN 978-3-8493-0363-1
Februar 2015
22,00 €

Journalistisch produzieren

Die Schwierigkeit des Produzierens für Online wird uns gerade in Amsterdam klar. Um Texte zu schreiben und online zu veröffentlichen braucht es Laptops (das geht auch auf Mobilgeräten, macht aber wirklich keinen Spaß). Dann will man Fotos machen, also braucht es eine ordentliche Kamera (denn die Smartphones sind nicht lichtstark genug für die Theaterbeleuchtung). Und da wir Videointerviews machen, braucht es noch Licht auf Akkubasis und Audioequipment. Das alles will aufgeladen und transportiert werden.

Wenn wir an einem Tisch arbeiten, dann belegen wir mit all den Steckern mindestens eine sechsfach Verteilersteckdose. Das sieht dann ungefähr so aus:

macro am Produktionstisch

Erdbeben

Notizen aus San Francisco: Anstatt über Impro zu schreiben, ist dieser Artikel ein Reminder. Ich bin heute um ca. 3:30 Uhr das erste Mal in meinem Leben von einen Erdbeben wachgerüttelt wurden. Es war das schwerste seit 25 Jahren im Bay Area und ich denke, es ist großes Glück, dass nicht mehr passiert ist. Es geht mir gut, aber als Mensch mußte ich begreifen, dass ich nicht vorbereitet bin auf so etwas. Ich weiß nicht, was man tun soll, ich weiß nicht, wie man sich verhält und das macht mir Angst. Für einen Improvisateur ist dies eine große Möglichkeit in die eigene Seele zu blicken. Als Mensch ist es eine Lektion in Sachen Demut. Wir sind hier nicht für immer.

Sommerpause

Eigentlich ist im Sommer in den Theatern immer recht wenig los. Die Leute sind im Urlaub am Meer, sitzen in den Freilichtkinos, grillen in den Parks und gehen nicht in Theater. Gut, sagt man sich als Theatermacher, dann nimmt man sich die Zeit, um in sich zu gehen und alles für die neue Spielzeit vorzubereiten.
Doch irgendwie kommt diese Zeit nicht. In diesem Sommer geht es für mich nur so Schlag auf Schlag. Das ist zum Einen gut, denn es gibt etwas zu tun, zum Anderen fehlt aber vielleicht der Anlauf, den es braucht um neuen Schwung zu holen. Ein neues Projekt und besseres Marketing für das Theater ohne Probe sind schon am Start. Jedoch macht mir der Ausbau der bestehenden Projekte und Vorhaben etwas Sorgen. Bisher sieht es zwar noch nicht danach aus, als würde etwas unter den Tisch fallen. Dennoch braucht es etwas Übersicht um nichts aus den Augen zu verlieren und hier könnte die Sommerpause helfen. Wenn man schon nicht konkret an Projekten arbeiten kann, dann könnte man aber wenigstens Zeit in die Projektplanung investieren. Denn ohne Plan geht nun einmal nichts 😉

Nur Gutes schreiben

Die Welt der Blogs ist mitunter extrem positiv. Menschen schreiben über sich eher von ihren Erfolgen als von ihren Fehlschlägen und Ängsten. Aber das führt bei den LeserInnen natürlich zu einem verzerrten Bild.
Auf der anderen Seite fragt man sich als Blogger, ob man bestimmte Dinge öffentlich machen sollte. Kratzt nicht jeder Fehler am eigenen Image? Besonders dann, wenn man viel investiert hat oder man als Selbstständiger direkt finanziell von einem guten Ruf abhängig ist. Man betreibt also immer PR. Somit hat man beim Schreiben schnell die Schere im Kopf und schreibt dann lieber nicht. Dabei könnten wir so gut aus den Fehlern anderer lernen und mit geteilten Leid so manchen Rückschlag vielleicht etwas leichter machen.
Aus der Improvisation bin ich ja das Umarmen von Fehlern gewöhnt, weshalb mich der Umgang damit im Netz nervt. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich demnächst mehr über Fehlschläge schreiben werde, aber ich denke darüber nach…