Zitat

Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben.
– Oscar Wild –

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Applaus

„Ich kann ohne Applaus leben, aber nicht auf der Bühne.“

Udo Jürgens

Timing ist alles

Timing ist zumindest dann alles, wenn es um Humor geht. Wer sich mit Unterhaltung beschäftigt, stellt schnell fest, dass ein spritziger Text oder eine witzige Aktion nur dann spritzig oder witzig ist, wenn das Timing stimmt. Aber was ist Timing? Die Wikipedia sagt, dass dieser Anglizismus „im Deutschen für eine (optimale) zeitliche Abstimmung zweier Aktionen oder Ereignisse“ steht.

Aber was ist optimal? Das läßt sich für die Bühne m. E. genau sagen: Die erste Aktion muss so abgeschlossen sein, dass das Publikum sie verarbeiten und begreifen konnte. Die kommende Aktion muss dann so schnell folgen, dass sie nicht vorhergesehen oder gar herbeigesehnt wird, sie darf aber auch nicht die vorherige Aktion überlagern. Oft läßt sich Timing nur durch Gefühl finden und durch Erfahrung erlangen. Wenn man aber unsicher ist, dann dann lieber eine Pause machen – das heißt nicht warten, sondern mit angehaltenem Atem die Spannung steigern. Wem dies gelingt, kann sich aus vielfältigen Unsicherheiten herausretten. Denn wir Menschen neigen schließlich zum Spiegeln von Emotionen und wenn jemand gespannt ist, dann sind wir es tendenziell auch.

Beyond und noch darüber

Wenn ich ehrlich bin, dann mag ich kein Varieté. Mich stört, dass oft einfach nur eine Nummer an die andere gereiht wird, ohne Zusammenhang, alles mehr Leistungsschau als Unterhaltung und wenn man Pech hat, wird das Ganze noch übertrieben schrill von einem Moderator übergelitten. Daher hatte ich auch Bauchschmerzen, als mich das Chamäleon Theater in Berlin zu ihrer neuen Show Beyond eingeladen hatte. (Wie ich zu dieser Ehre gekommen bin, habe ich hier ausführlich beschrieben.) Nun bin ich aber froh, doch sehr positiv über diesen Abend schreiben zu können, denn die Show Beyond war gut.

Beyond kann unter anderem „jenseits“ oder auch „darüber hinaus“ bedeuten. Für die australische Truppe Circa um Regisseur Yaron Lifschitz bedeutet es auf alle Fälle auch „in Übersee“. Aber warum waren die Australier nun gut? Sie ließen als Erstes die Moderation weg und schafften es die einzelnen Bestandteile durch kleine bis weilen sehr witzige Aktionen zu verbinden. Dabei finden immer wieder riesige Hasenplüschköpfe Verwendung. Sie erzählen aber keine Geschichte. Vorher hatte ich zwar irgendetwas von Alice im Wunderland gelesen, aber das bleibt nur in Sachen Nagetier Zitat.

Wenn ich meckern wollen würde, dann genau hier: Warum gibt es so wenig Geschichten im Varieté? Warum kein Mut zu einer Handlung? Niemand verlangt vielschichtige Charaktere, die in parallelen Handlungssträngen Philosophische Fragen von allen Seiten beleuchten. Aber eine kleine, dünne Handlung? Ja, dafür müßte man die ein oder andere Nummer umdeuten oder rauswerfen. Wie schwer das mit Akrobaten ist, weiß ich genau, aber das ist kein Grund es nicht zu versuchen. Zumal wenn da ein Ensemble auf der Bühne steht. Aber keine Angst, ich konnte den Abend genießen, weil es doch immer wieder kleine Geschichten und Menschlichkeiten gab.

Die gezeigte Akrobatik ist schön, zum Staunen gekonnt, was für Könner und Könnerinnen auf ihrem Gebiet. Es macht einfach Spaß diesen Akrobaten zu zuschauen. Es werden hohe und Höchstleistungen geboten, die aber nie angestrengt wirken und immer noch ironisch einen drauf setzen. Schönheit und Ästethik stehen im Vordergrund und das kommt auch an. Viele Münder sind offen, als zum Beispiel mitten im Saal am Seil der Liebe nach „geturnt“ wird (wenn für meinen Geschmack da aber etwas zu hektisch). Und es wird gelacht – laut und leise. Manchmal über witzigen Klamauk, manchmal über großen Humor. Eine unterhaltsame Mischung.

Dieser Abend war ein guter und sehr unterhaltsam. Er war zutiefst inspiriert vom Cirque Nouveau, voller kleiner Geschichten, wenn auch ohne eine Große. Intelligente, beeindruckende Unterhaltung, die mich verführt hat und die ich auch guten Gewissens weiterempfehlen kann. Danke.

www.chamaeleonberlin.de

Werbung mit QR Codes

Wenn man selbst Kunst und Kultur organisiert, dann muss man dafür auch Werbung machen. Postkarten sind ein häufig genutztes Mittel. Für Berlin fürchte ich oft, dass die Schwemme an Postkarten eher gegenteilige Effekte hat, aber es ist vielleicht die einfachste und kostengünstigste Variante. Nun spielen wir vom Theater ohne Probe an verschiedenen Orten verschiedene Formate. Immer wieder stehen unsere Termine oder das gewählte Format jedoch erst recht kurzfristig fest, so dass sich dafür eine extra Postkartenproduktion einfach nicht lohnt. Daher haben wir uns für eine allgemeine Postkarte fürs Theater ohne Probe entschieden, auf der weder Termine noch Formate stehen.

Um die allgemeinen ToP-Postkarten aber auch als Werbeträger für besondere Formate zu nutzen, verwende ich bedruckbare Aufkleber. Nun will ich aber nicht nur den Titel des Formats, Datum, Zeit und Ort auf der Postkarte haben. Am liebsten hätte ich natürlich, dass die/der PostkartenleserIn auf unserer Homepage surft, wo sie sich weiter informieren und am besten gleich Karten reservieren kann. Dafür experimentiere ich erstmals mit QR-Codes.

Foto  von Postkarte, auf die ein QR Code geklebt wurde

ToP-Postkarten mit QR Code

QR-Codes (Quick Response) verbreitet sich als einfache Möglichkeit Webadressen zu vermitteln immer mehr, weil auch immer mehr Menschen über ein Smartphone verfügen, mit dem das Scannen einfach ist. Zum Erstellen der QR-Codes verwende ich die Seite http://www.qrcode-monkey.de/. Da kann man nicht nur Webadressen eintragen, sondern auch Texte, Telefonnummern oder vieles andere mehr. Wer nun diesen Code scannt, wird entweder direkt auf die entspreche Webseite weitergeleitet oder bekommt die enthaltenen Information angezeigt. Ob und wie es für die Zielgruppe funktioniert, läßt sich für mich leider nur raten, da ich keine belastbaren Zugriffsdaten auf unsere Homepage habe. Ich denke dennoch, dass es sich lohnt an der Sache dran zu bleiben.

Eine erste Erfahrung kann ich aber schon weitergeben. Wichtig ist, dass die QR-Codes genügend Kontrast haben. Ursprünglich wollte ich die QR-Codes im ToP-Orange drucken, wobei ich aber feststellen mußte, dass es da immer wieder zu Problemen mit dem Scan kam. Die Codes in Schwarz bereiten hingegen keine Probleme. Testen kann man das gleich hier oben im Foto – einfach das Smartphone ranhalten und scannen.

Mich würde noch interessieren, ob hier jemand mitliest und auch QR-Codes verwendet? Funktionieren QR-Codes für Euch? Oder habt Ihr Fragen?

Es ist gut: Smartphone in der Kulturveranstaltung

Das Portal livekritik.de rief mit der Frage: Via Smartphone live aus einer Kulturveranstaltung berichten – gut oder schlecht? zu einer Blogparade auf. Dabei schreiben Autoren anderer Blogs Artikel um die Frage zu beantworten, was ich hiermit tun will: Es ist gut.

Persönlich konnte ich drei positive Erfahrungen zum Socialmedia-Einsatz in und um Kulturveranstaltungen machen.

1. Ein spontanes Twittertreffen

Seit dem 5. August 2008 bin ich auf Twitter aktiv. Sicher bin ich nicht der „beste“ Twitterer, aber ich mag die Leute, denen ich da folge und mit denen ich im Austausch stehe. Auf der diesjährigen Impronale in Halle saß ich neben zwei Improkollegen, die ihrerseits Twitter nutzen. Bei der Suche nach Schlagwörtern, stießen wir noch auf einen Twitterer, der ebenfalls mit uns im Saal war. Nach Aufstehen und Winken vor der ersten Show, verabredeten wir uns in den Pausen im Foyer. Es stellte sich heraus, dass er kein Improspieler war, sondern ein interessierter Zuschauer. Also konnten wir uns angeregt unterhalten, was für beide Seiten spannend war, da wir auf verschiedene Dinge achteten. (Wir folgen uns übrigens bis heute.)

2. Die Vorgabenmaschiene

Mit meinem Ensemble vom Theater ohne Probe, haben wir in den letzten Shows die Zuschauer aufgerufen, uns während der Pause via Twitter oder Facebook Vorgaben für die zweite Hälfte einzusenden. Die Reaktionen waren verhalten, aber die Vorgaben schön, da sie überlegt waren. Natürlich hat noch nicht jeder ein internetfähiges Smartphone, aber es werden immer mehr. Wir sind auch bei weitem nicht die einzige Improgruppe, die sich Vorschläge über diese Kanäle einholt. So fragt zum Beispiel Paternoster regelmäßig zur Pause nach Vorgaben oder auch die Improbanden experimentierten bereits mit einem Twitterfall.

3. Wissen macht Neugier

Zur Hauptfrage der Blogparade gab es mehrere Unterfragen, wobei ich auch auf die letzte mit einem klaren Ja antworten kann: Und würdet ihr von zu Hause eine solche Berichterstattung verfolgen? Warum ich mir sicher bin? Ich verfolge. Nur als ein Beispiel sei hier das 24 Stundentheater der Brotfabrik Berlin genannt, bei dem binn 24 Stunden 4 Theaterstücke geschrieben, inszeniert und aufgeführt werden.

Die Brotfabrik ist bei mir direkt um die Ecke und ich will schon seit mindesten 3 Versuchen eine der Vorstellungen vom 24 Stundentheater sehen. Leider hat es bisher terminlich nie geklappt. Was die Macher aber sorgfältig tun, ist über die 24 Stunden hinweg zu twittern und zu facebooken. Daher verfolge ich das Geschehen stets und das hat mein Interesse mehr als geweckt. Und dies ist nur das Projekt eines Theaters, dem ich auf Twitter folge.

Es ist gut!

Für mich steht fest, dass es gut ist und wer heute mit Schülern im Theater sitzt, der weiß, dass es Realität ist: Es wird mit dem Smartphon aus Kulturveranstaltungen berichtet. Als Improvisateur freue ich micht, in Zukunft vor, während und nach einem Auftritt mit den Zuschauern weiter zu interagieren. Was da noch für Potential verborgen liegt, läßt sich heute nur erahnen.

2. Februar 2013 – 2. Europäischer Theatertag für Toleranz

Auf Facebook bin ich auf eine Aktion zur politischen Lage in Ungarn aufmerksam gemacht wurden: Es wird aufgerufen am 1. Februar auf so vielen Bühnen wie möglich folgendes Memorandum zu verlesen.

Wenn man sich etwas mit der politischen Lage in Ungarn beschäftigt, fängt man an sich richtig Sorgen zu machen.  Der Ungarische Dokumentarfilmer Ádám Csillag vergleicht in diesem Zapp-Beitrag die Situation sogar mit Deutschland in den 30er Jahren. Allein deswegen kann es nicht schaden, wenn wir in Europa dafür Öffentlichkeit erzeugen, denn es ist wirklich „um die Ecke“!

Memorandum

Ich verlese ein Memorandum, das heute in den meisten Theatern Europas vor der Vorstellung in der jeweiligen Landessprache verlesen wird:

Heute ist der 1. Februar 2013. Heute vor einem Jahr wurde in Budapest eines der bedeutendsten Theater der Stadt an einen neuen Intendanten übergeben, der seit vielen Jahren öffentlich rechtsradikales Gedankengut vertritt. Seitdem werden dort menschenverachtende und hetzerische Stücke gespielt. Dieser Tabubruch wurde zu einem gewichtigen Symbol für einen neu aufkeimenden Rassismus in Europa. Doch nicht nur in Ungarn erfreuen sich aggressive und fremdenfeindliche politische Bewegungen eines immer größeren Zulaufs. Deshalb wollen wir uns in unserem Land und in unserer unmittelbaren Umgebung für Toleranz, Vielfalt und Solidarität für die Schwächeren einsetzen.

Wir sind bestürzt darüber, dass in vielen europäischen Ländern politische Kräfte wirken, die Hass, Verachtung und Neid zwischen den Menschen schüren. Wir wollen mit unserer Theaterarbeit das Trennende in der Gesellschaft überwinden, Neugierde erwecken und die Sinne für gesellschaftliche Wahrheiten schärfen – zum gemeinsamen Wohl aller Menschen, für den Frieden und die Freiheit in Europa. Sind wir Menschen doch alle frei und gleich an Würde und Rechten geboren, sind wir doch alle Bürger einer Welt. Heute ist der 1. Februar 2013. Begehen wir heute gemeinsam zum zweiten Mal den „Europäischen Theatertag der Toleranz“.

Zur Seite der Aktion auf Facebook: https://www.facebook.com/events/122413907926528/