Freiheit statt Angst – wir sind ja auch im Internet

Plakat der Freiheit statt Angst DemoAm kommenden Wochenende findet nun zum 5. Mal die Demonstration "Freiheit satt Angst" in Berlin statt. Da mir das Internet sehr am Herzen liegt und ich es gern noch ein paar Jahre nutzen würde, ehe man sich durchringt es abzuschalten, möchte ich hier zur Teilnahme an der Demonstration auffordern.

Die Großdemonstration tritt für Bürgerrechte, Datenschutz und ein freies Internet ein. Verschiedene Forderungen wurden zusammengetragen:

1. Überwachung abbauen
2. Evaluierung der bestehenden Überwachungsbefugnisse
3. Moratorium für neue Überwachungsbefugnisse
4. Gewährleistung der Meinungsfreiheit und des freien Meinungs- und Informationsaustauschs über das Internet

Hier die Forderungen im Detail: http://blog.freiheitstattangst.de/forderungen/

Termin:

11. September 2010, 13 Uhr auf dem Potsdamer Platz 

Alle weiteren Informationen unter: www.freiheitstattangst.de

Und wer noch nicht weiß, warum wir uns mit diesen Themen beschäftigen sollten, dem sei als Anregung das brühmte Did You Know Video, hier Version 4 aus dem Herbst 2009 empfohlen:

[swf width=“480″ height=“295″]http://www.youtube.com/v/6ILQrUrEWe8[/swf]

Theater ohne Probe

Logo Theater ohne ProbeDiese Blog hat nun fast einen Monat Sommerpause gemacht. Aber nicht, weil ich auf der faulen Haut lag, sondern weil ich an anderer Stelle fleißig geschrieben habe. Die wichtigste Baustelle ist bei mir momentan mein neues Impro-Projekt: Theater ohne Probe.

Solch ein neues Projekt braucht neben einem schmissigen Namen, den wir nach langem Kopfzerbrechen gefunden haben, auch eine Internetseite. Denn ohne Internetauftritt würde ich heute sagen, ist es verdammt schwer Fuß zu fassen. Deshalb ist in den letzten Tagen und Wochen viel Zeit in die Homepage (inklusive Logo) vom ToP geflossen, natürlich ohne dabei das Improvisieren zu vergessen. Wink

Wer also mal Lust hat, sich die neue Seite anzusehen, sei hiermit herzlich eingeladen vorbeizusurfen. Ich würde mich natürlich auch freuen, wenn der ein oder die andere mal etwas zur Homepage sagen würde. Konstruktive Kritik ist gern genommen!

www.theater-ohne-probe.de

Vom Landwirt lernen

Der Satz eines jungen Landwirts geht mir seit zwei Wochen nicht mehr aus dem Kopf. Er ist seines Zeichens Bio-Bauer und sprach über das Wetter: "Wir müssen die Natur so nehmen, wie sie ist und dann entscheiden, was wir machen."

Regnet es zu wenig, werden die Ackerbohnen abgemäht und an die Tiere verfüttert. Nicht jammern, weil etwas nicht nach Plan läuft, sondern sich einlassen und vertrauen haben. Egal was kommt, es wird neue Wege und Möglichkeiten eröffnen.

Das ist Improvisation – nicht mehr und nicht weniger.

Wassereis, Naturschutz und Polizeieinsatz – die FSE improvisiert zum Semesterende eine Langform

Der gestrige Auftritt der Freien Steudentenbühne Eberswalde im Studentenclub war nicht nur der letzte in diesem Semester, sondern war zum ersten Mal auch eine Langform, die sich über zwei Hälften erstreckte. Erzählt wurde die Geschichte zur Inspiration "Wassereis":

Satalitenbild Schleswig Holstein (Quelle Wikipedia)

An einem einsamen See unterhalb der Hüttenberge in Schleswig Holstein lebt Horst, der von Sachsen an diesen unbrührten Ort gezogen ist, fern jeglicher Zivilisation. Er ist jedoch erfreut, als erste Touristen sich an seinen verlassenen Badesse verirren. Auf das unbekannte Kleinod der Natur sind diese durch Flyer Eberswalder Studenten der Fachrichtung Nachhaltiger Tourismus aufmerksam geworden.

Quelle Wikipedia

Alles könnte so friedlich sein, gebe es in den Hüttenbergen nicht eine Kammeradschaft militanter Naturschützer, die Horst schon länger wegen seines fischschädigenden Schwimmens mit Sonnencreme auf der Abschußliste haben. Als sie ihm einen Besuch abstatten, um ihn zur Rede zu stellen, taucht ausgerechnet eine weitere Touristin auf, deren Flyer sie als Beweismittel einbehalten. Um die unerwünschte Touristenflut zu stoppen, beginnen zwei Kammeraden der Flyerspur zu folgen und gelangen schließlich trotz mangelnder Alphabetisierung und fundamentaler Technikfeindlichkeit per Floß nach Eberswalde.

Bundesarchiv / WikiMedia 

Dort werden sie von hilfsbereiten Studenten für LANUs gehalten und ins Sekretariat des Präsidenten gebracht. Die Sekretärin gibt zwar den Hinweis auf den verantwortlichen Professor, legt sich aber so mit den Kammeraden an, dass diese sie komplett nass spritzen. Während die Sekretärin wutentbrand die Polizei alarmiert, entführen die Kammeraden den Professor und bringen ihn mit den hochschuleigenen Kanus zurück in ihre Heimat an den See am Fuße der Hüttenberge.

United States Department of Homeland Security

Doch das polizeiliche Überfallkommando ist ihnen dicht auf den Fersen und hinterläßt eine Spur von eingeschüchterten Zeugen und Tränengaswolken. Am Badestrand des Hüttenbergener Sees kommt es dann zum Showdown. Die Polizisten befreien zwar den Professor, lassen aber die barfüßigen Kammeraden ziehen (angeblich weil sie zu sehr den Polizeichtransporter verschmutzt hätten). Um aber nicht ohne eine Verhaftung die Heimreise antreten zu müssen, nehmen sie kurzerhand den unglücklichen Horst fest, der nur Wassereis am Strand verkaufen wollte. Traurig singt er noch ein Abschiedslied, bis er für 20 Jahre unschuldig ins Gefängnis muss.

Gefängniszelle in Alcatraz, Quelle Wikimedia, Nutzer Mikano 

Moral: Suche die Deutsche Eiche nicht.

Leben und andere Operationen

Die Damen von Feder und DistelUnter dem Titel "Leben und andere Operationen" wird heute Abend ein kabaretitische Kleinkomödie mit Gesang Premiere haben. Im Rahmen von 48-Stunden-Neukölln zeigen die zwei Damen von Feder & Distel die Probenarbeit des letzten dreiviertel Jahres.

Warum ich darüber schreibe? Na, weil ich in diese kleine Produktion als Regisseur einbezogen bin. Die Beiden hatten das Programm bereits letztes Jahr selbst entwickelt und aufgeführt, jedoch war ohne ein Auge von Außen so manches auf der Strecke geblieben. Wir begannen daher eine sehr produktive Zusammenarbeit, veränderten die Handlung, schrieben den Text neu und arbeiteten an den Figuren.

Nun ist Premiere und wie immer in solch einem Fall, will man sein Kind nicht so recht laufen lassen. Besonders jetzt fällt einem auf, was man gern noch proben, umgestalten und verändern würde. Aber es geht nicht und die Produktion braucht diese Premiere heute, damit wir sehen könne, wie unsere Witze funktionieren und wo das Timing evtl. noch nicht stimmt. 

Ich bin gespannt und mir sehr sicher, dass es ein unterhaltsamer Abend wird. Selbstverständlich wird er im Anschluss Arbeit mit sich bringen, diese kann nur helfen, dass Stück weiter zu verbessern. Wieheißt es so schön: Ein Stück reift erst auf der Bühne.

Feder und Distel bei 48 Stunden Neukölln!
"Leben und andere Operationen"
Freitag, 25.6.2010, 19:30 h
Café Rudimarie, Weichselstr. 34, 12045 Berlin
Im Rahmen von 48h Neukölln ist der Eintritt frei. 

www.federunddistel.de

Gewonnen

Ich wollte nur, weil es mich so stolz macht, noch schnell, bevor es zu weit zurück liegt, darauf hinweisen, dass ich GWEONNEN habe!

Welch Freude! Denn ich war nicht der tausendste Besucher einer Internetseite oder habe gar einen Brief einer Klassenlotterie erhalten – nein, ich konnte mich im sportlichen Wettkampf durchsetzen. Beim Maestro des diesjährigen Impro-Cup-Berlin, waren 8 Impro-SpielerInnen angetreten, um die meisten Punkte zu ergattern und den Titel mit nachhause zu tragen.

Es wurde ein unterhaltsamer Abend, mit vielen guten Szenen, die mitunter mehr als aberwitzig schwer waren: Wir spielten zum Beispiel eine Dreier-Syncro rückwärts durchs Alphabet. (Kinder, macht so etwas bitte nicht zuhause nach.) Am Ende standen noch drei Spielerinnen und meine Wenigkeit auf der Bühne und es hieß, dass beste Lied möge gewinnen! Wer mich kennt weiß, dass ich wirklich gern singe, aber es leider nicht eine meiner großen Stärken ist (eher eine kleine). Das Glück war mir aber hold und so bekam ich zum Thema Ölkrise den Swing als Musikgenre und konnte das Haus mit dem Ölteppich-Swing rocken sowie den Siegerkranz mitnehmen.

Siegerkranz. Quelle Wikipedia

Danke Gudrun Schlag für die tolle Musik, danke Wat'n da los für den tollen Impro-Cup und danke an meine Fans, auf deren Armen ich das Autogrammegeben üben konnte. Ich liebe Euch alle!

 

Helden, Probleme und Konflikte

Herakles aus Band 8 von Hainleite bis Iriartea, Seite 398. Quelle WikipediaIn zwei meiner letzten Impro-Proben kam die Frage auf, wer denn in einer Szene der Held sei? Wem solle die Geschichte folgen? Auf wem sollte der Fokus liegen?
Nach einer längeren Geschichte kam gar die Antwort, dass die Tochter (tauchte mitten in der Geschichte auf) doch durch Ihre guten (moralischen) Entscheidung die Heldin der Geschichte sei, sie hatte heldenhaft gehandelt.
Wieder ein klassisches Mißverständnis, denn der Held oder die Heldin muss nicht heldenhaft sein. Deshalb habe ich mir vorgenommen auch nicht mehr von Helden zu sprechen. Wer hat die Hauptrolle? Wer würde in einer Hollywoodverfilmung das meiste Geld für seine Rolle bekommen? Die Rolle von Hannibal Lector ist sicher die Hauptrolle, doch ein Held ist er bei weitem nicht.
Die gleiche Überlegung habe ich zur "Suche des Problems der Hauptrolle" in einer Szene angestellt. Oft wird nach einer improvisierte Szene kurz analysiert, wo das Problem der Figuren bzw. der Konflikt zwischen ihnen läge. Das lateinische Wort confligere bedeutet aber nicht nur kämpfen sondern auch zusammentreffen. Es geht also um die Momente entscheidender Zusammenkümpfte, in der es zu Veränderungen kommt. Es kann also auch das Erreichen eines Ziels sein, an dem der Charakter sich ändert. Was macht diese kleine Umbenennung von Konflikt in Änderung aus? Man tappt nicht in die Falle in jeder Szene nach einem Problem zu suchen, über das man streiten kann.
Von "Welche Konflikte muss der Held angehen, um sein Problem zu lösen." hin zu "Welche Änderung muss die Hauptrolle durchmachen, um sich zu entwickeln."!

MUT zu Brecht

MUT

Mit mutigen Schritten und dem Willen auch einer Niederlage ins Auge zu sehen, so sollte Improtheater gespielt werden. Ich bin irgendwie ganz bewegt, seit auf der letzten Probe der Changeroos beschlossen wurde, sich an die Umsetzung der Lernergebnisse eines Workshops zum Thema Brecht zu wagen!

Die letzten beiden Trainigs der Changeroos standen im Zeichen von Brechts Epischem Theater und in wieweit seine Stilmittel für das Improtheater einsetzbar sind. Angelehnt war das von mir durchgeführte Training an einem Workshop von Jürgen List, der das Thema wunderbar aufbereitet hat.

Die wichtigsten Stilmittel, die sich im Improtheater verwendenlassen, sind der Erzähler/Conférencier, der innere Monolog und die Verfremdungseffekte wie Groteske, Chor, Plakat usw. Der Workshop hat sehr anschaulich gezeigt, wie gut diese Stilelemente helfen können besonders längere Handlungsstränge zu entwickeln. Dabei bleibt das Brechtsche Theater natürlich vorwiegend im Milieu der kleinen Leute, Arbeiter, sozialen Unterschichten und spielgelt dort die Probleme der "großen" Welt.

Es wird also heute, zumindest eine Hälfte lang, Improtheater bei den Changeroos im Stile und in der Form von Brecht geben. Ich bin sehr erfreut und werde meinen Teil beitragen, in dem ich als Moderator und Erzähler auf der Bühne stehe. Man kann also gespannt sein und schon jetzt Hut ab vor den Changeroos, die sich an diese besondere Form voller Mut heran wagen!

Wann: So. 25. April 2010, 20.00 Uhr
Wo: Brotfabrik Berlin
Wieviel: 8,-/6,- €

Bertolt Brecht, 1948, Quelle: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 183-W0409-300

Bertolt Brecht, 1948, Quelle: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 183-W0409-300, CC.

Impro mit der Wikipedia

WIKI-Plakat-FSEBei neuen Improformaten geht es oft nur darum eine neue Form für die Abfrage von Vorgaben zu finden. Warum sollte man so etwas tun? Schließlich kann ja das Publikum in seiner Diversität auf alle möglichen und unmöglichen Einfälle kommen. Doch leider ist das pure Theorie, denn es zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen spontan gefragt eben nur auf das Naheliegenste kommen. Fragt man nach einem Werkzeug, hört man schnell den Hammer, nach einem Musikinstrument die Violine und bei der Farbe kommt Rot. Das ist nicht schlecht oder falsch – ich bitte mich an dieser Stelle nicht falsch zu verstehen! – aber wie wäre es, wenn man das Publikum mit einer riesigen Zahl von Ideen vorinspirieren könnte? Aus diesen könnte es dann aussuchen, frei nach Lust und Laune? Wäre das nicht sagenhaft?

Woher nimmt man aber eine solche riesige Ideenquelle? Aus dem Internet natürlich und dort am besten aus der Wikipedia. Die deutsche Wikipedia hat trotz umstrittener Löschwut einen Umfang von rund 1.060.000 Artikel. Da kann eine Improgruppe sehr lang dran spielen, ohne sich auch nur ansatzweise zu wiederholen.

Ich habe das große Glück mit der Freien Studentenbühne Eberswalde eine mutige und experimentierfreudige Improgruppe zu leiten, die sich auf solche gewagten Unternehmungen, wie es das Improvisieren entlang der Wikipedia ist, einläßt. Mittels der Funktion "Zufälliger Artikel" werden wir uns vom einzigartigen Onlinelexikon überraschen lassen. Natürlich wird das Publikum gebeten zu entscheiden, welcher Aspekt oder Begriff aus den jeweiligen Artikeln als Vorgabe dienen soll. Wir sind gespannt, wohin uns der Abend bringt, sicher ist nur, man wird überrascht sein.

WIKI-404-IMPRO
Mittwoch, 28. April 2010, 20:30 Uhr
Eintritt frei!

Studentenclub Eberswalde
Schicklerstraße 1
16225 Eberswalde

www.myspace.com/studentenclubeberswalde

Ein neues Impro-Format erfinden

Wie entsteht ein neues Improformat?

Zufällig und natürlich spontan. Jemand bringt in einer Probe eine Idee auf – meist, weil ein Auftritt vor der Tür steht. Die Idee wird in den Raum gestellt und man strengt sich an, nicht alles daran halbseiten zu finden. Aber dann arbeitet man an der Idee und wirft spinnernde Stücke, passend oder nicht, dazu. Nach langem Hin und Her und dem erfolgreichen Abwehren von einer bunten Fassette an Einwänden, bleibt etwas kleben. Und genau dieses "etwas" muss man dann festhalten.
Ich bin froh, dass die FSE für ihren Auftritt am 28. April 2010 ein tolles Format entwickelt hat und ich das interne Entwicklungsdokument hier veröffentlichen kann.

Neues Format