Erdbeben

Notizen aus San Francisco: Anstatt über Impro zu schreiben, ist dieser Artikel ein Reminder. Ich bin heute um ca. 3:30 Uhr das erste Mal in meinem Leben von einen Erdbeben wachgerüttelt wurden. Es war das schwerste seit 25 Jahren im Bay Area und ich denke, es ist großes Glück, dass nicht mehr passiert ist. Es geht mir gut, aber als Mensch mußte ich begreifen, dass ich nicht vorbereitet bin auf so etwas. Ich weiß nicht, was man tun soll, ich weiß nicht, wie man sich verhält und das macht mir Angst. Für einen Improvisateur ist dies eine große Möglichkeit in die eigene Seele zu blicken. Als Mensch ist es eine Lektion in Sachen Demut. Wir sind hier nicht für immer.

Phaser on Stun – improvisiertes StarTrek

Notizen aus San Francisco: Am Donnerstag (14.08.2014) sah ich im Shelton Theater eine Show des SF Improv Collectiv. Die erste Hälfte der Show bestand aus Kurzformen (also Improgames), die unterhaltsam und erfrischend schnell gespielt wurden. Auffallend war, das im Training offensichtlich großes Augenmerk auf den fließenden Übergang zwischen den Szenen gelegt wurde. Das ist etwas, was ich mir mehr für Shows zuhause wünschen würde.
Die zweite Hälfte stand hingegen komplett im Zeichen des StarTrek Universums. Die SpielerInnen von „Phaser on Stun“ hatten sich in passende Uniformen der Helden der Originalserie gewandet – solche Uniformen waren auch im Publikum zu sehen, was die Zahl der anwesenden Trekkies erkennen ließ. Da ich auch ein Fan der Serie bin und jede Folge kenne, war ich „fasziniert“ was nun folgen sollte.
Man kündigte für die kommenden 45 Minuten eine bis her nicht verfilmte Folge an, die aber weder auf der berühmten U.S.S. Enterprise spielen sollte noch mit den bekannten Helden wie Kirk, Spock oder Pille. Nachdem etwas umständlich ein Folgentitel ermittelt wurde und noch die Vorgaben wichtiges Körperteil „Milz“, Anomalie „Schwarzes Loch“ und eine Verbindung zweier Charaktere eingeholt waren, ging es los. Auf dem Förderationsraumschiff „Golden Gate“ sahen wir die Folge „Hamburger“. Die 6 SpielerInnen entwickelten mit großer Freude einen unterhaltsamen Plot, mit vielen Elementen, die man aus Star Trek kennt. Es gab die typischen Brückenszenen, mit den verschiedenen Funktionen und Befehlsketten, das klettern durch Jeffries-Röhren, das Laufen durch die endlosen Flure des Raumschiffs sowie eine Faustkampfszene. Im Gesamten war es eine gelungene Adaption der alten Serie und ein Spaß zum Zusehen!
Wenn man daran herum nörgeln wollen würde, so empfand ich die Auswahl eines Titels als wenig hilfreich. „Hamburger“ war unpassend für das Genre und musste etwas brachial eingebaut werden. Persönlich fände ich die Frage nach einem allgemeinen gesellschaftlichen Problem besser, denn es ging schließlich auch in der Originalserie pro Folge um eines. Warum also nicht das Publikum danach fragen und eine SiFi-Parabel daraus machen? Der Rest wäre dann Spaß am Genre.
Wenn man nicht nörgeln will, dann bleibt lobend zu vermerken, dass die 6 SpielerInnen hoch aufmerksam miteinander spielten und selbst bei Massenszenen wunderbar den Fokuswechsel schafften. Es bleibt also für San Francisco und die unendlichen Weiten zu hoffen, dass die Phaser auch noch in den kommenden Sternzeiten auf Stun bleiben. Denn mit Impro und Star Trek sind noch unendliche Weiten zu erforschen.