Arbeiten mit Laien – Regel #1

"Es sind Menschen, mach sie nicht kaputt!"

Die letzten zwei Wochen haben mich in eine "Inszenierung" hineingezogen. Wie es meine Art ist, habe ich, um Hilfe gebeten, nicht abgelehnt und Zeit, Kraft und Gehirnschmalz investiert. Vieles davon war vergebens, da es letztlich abgebügelt wurde. Mich persönlich betrifft es nicht, weshalb ich meine Wut über all das wenigstens kreativ umsetzen kann und deshalb hier ein paar Regeln aufzeichnen will.

Beim Arbeiten mit Laien würde ich als erstes die oben genannte Regel aufstellen, da sogenannte Regisseure all zu oft glauben, dass sie mit "Freiwilligen" genauso arbeiten könnte, wie mit "Profis". Aber ein Profi kann in der schlimmsten Schreiattacke wenigsten an seinen Lohnzettel denken, denn er wird in der Regel für die zu erleidenden Erniedrigungen bezahlt. Aber jemand der freiwillig oder aus Pflichtbewusstsein heraus etwas versucht umzusetzen, seine Zeit investiert, der sollte mit Respekt behandelt werden.

Und wenn ich es mir recht überlege, sollte man jeden Menschen mit Respekt behandeln. Auch und gerade wenn man "Kunst" schafft! 

Ich schreibe nicht?

Wenn man hier mein Blog verfolgt, könnte man die Meinung bekommen, ich würde nicht mehr schreiben. Aber die Wahrheit sieht ganz anders aus. In Wirklichkeit schreibe ich eine ganze Menge, besonders im Internet. Der meiste schriftliche "Output" befindet sich aber auf Impro-News.de. Besonders in dieser Woche geht es Schlag auf Schlag, denn in Berlin findet zurzeit das 10. internationale Festival für Improvisationstheater statt. Jeden Abend Shows, dazu die Koordinierung der Beiträge unserer fleißigen Mitschreiber. Und wir haben sogar eine gedruckte Ausgabe herausgebracht…

Wer also etwas von mir lesen möchte, der versuche es hier, da, oder dort!

RAP NEWS

Gekonnte Verbindung von Kunst und Politik finde ich immer wieder spannend. Hier eine schöne Mischung mit so vielen Anspielungen – große Kunst, große Politik:

[swf width=“486″ height=“293″]http://www.youtube.com/v/hl4NlA97GeQ?fs=1[/swf]

 

Und weil es so schön ist, gleich noch die Nummer 5:

[swf width=“487″ height=“294″]http://www.youtube.com/v/NXbCwq4ewBU[/swf]

 

…und den Rest gibt es auf dem Juicemedia youtube-Kanal.

Interview mit Bernhard Hoecker

Bereits im letzten Jahr habe ich für Impro-New.de ein telefonisches Interview mit dem Comedian und Improvisateur Bernhard Hoëcker geführt. Wir unterhielten uns sehr entspannt und freudig über Fernsehen, Improviastionstheater und deren Verbindung. Nun ist es endlich veröffentlicht.

Mein Lieblingszitat aus dem Interview ist: "Man kann jedem gefallen, nur nicht gleichzeitig."

Wer das Interview nachlesen möchte, findet es hier: Bernhard Hoecker – Interview mit einem darstellenden Kontinuum

Über Kommentare würde ich mich hier wie da freuen!

WIR gegen UNS, das Impromatch

Die Freie Studentenbühne Eberswalde wird am kommenden Mittwoch in einem Improtheatermatch gegen sich antreten. Dabei heißt es WIR gegen UNS. Die Mannschaft WIR wird dazu die UNSeren zu Szenen herausfordern, doch auch für UNS gilt es, den anderen spannende Herausforderungen zu stellen.

Am Ende geht es sowieso nur um die Gunst des Publikums, denn Sie sollen als Gewinner des Abends nach hause gehen. Aber wann haben Sie gewonnen? Na wenn Sie sich gut unterhalten haben.

Also merken:

WIR gegen UNS – das Impromatch der Freien Stundentenbühne Eberswalde
Am: Mittwoch, 15. Dezember 2010
Um: 20:30
Im: Studentenclub Eberswalde, Schicklerstraße 1 in 16225 Eberswalde
Wieviel: kostenfrei, aber mit Bitte um Spende

WIRvsUNS

Juristisches Minenfeld für alle Blogger #JMStV

Internetlable von @gormulus Liebe Theaterblogkollegen, dieser Eintrag richtet sich direkt an Euch. Wir sind hier alle mal mehr und mal weniger fleißig mit dem Verfassen von Artikeln beschäftigt. Jeder hat (hoffentlich) etwas in sein Impressum geschrieben und damit seine gesetzliche Pflicht erfüllt. Nun rollt aber etwas auf uns zu, dass sehr gefährlich werden könnte. Wenn alle Bundesländer zustimmen, tritt ab 1. Januar 2011 der nächste Jugendmedienschutz Staatsvertrag in Kraft. Er heißt zwar Vertrag ist im Grunde aber ein Gesetz. (Bezieht sich auf alle Webangebote außer Nachrichtenseiten.)

Im Kern läuft es darauf hinaus, dass wir ALLE unsere Inhalte gemäß dem Jugendschutz kennzeichenen müssen. Da aber wohl keiner von uns wirklich sicher seine Inhalte einschätzen kann, wird es der einzige Weg sein, alles auf "ab 18 Jahre freigegeben" zu setzen. (Oder man leistet sich die 4000 Euro jährlicher Beitrag zur FSK.) Mehr Links zum Thema mit fachkundigeren Erklärungen folgen. 

Doch der Vertrag ist noch! nicht von allen Bundesländern unterschrieben. Folgende Anhörungen und Bundesländer stehen noch aus:

vsl. 7./8. Dezember: Saarland (Anhörung am 02. Dezember)
vsl. 9. Dezember: Berlin
vsl. 14.-16. Dezember: Bayern, Brandenburg
vsl. 14.-17. Dezember: Sachsen, Schleswig-Holstein
vsl. 15.-16. Dezember: Nordrhein-Westfalen
15. Dezember: Mecklenburg-Vorpommern

Also schreibt bitte Euren Abgeordneten und mobilisiert die Kollegen. Jeder von uns hat eine Homepage, Blog oder gar Twitteraccount. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber es geht hier auch um das Internet im Gesamten. Also schaut Euch mal die Links an oder hier den Hashtag #JMStV auf Twitter.

Weiterverbereitung ist erbeten!

Netzpolitik.org: Jugendmedienschutz Entscheidung in Berlin mit offenem Brief (auch als Vorlage verwendbar) und mit Link zur Stellungnahme des AK-Zensur (PDF)
t3n.de: Lesepflicht für alle: 17 Fragen zum neuen JMStV
der Freitag: Shitstorm und Windschatten: JMStV, NRW-Grüne und das rot-rote Berlin (lesenwert mit weiteren Links)

Und Tausend weiter Links: Twittersuchstream zu #JMStV

Das obige Kennzeichen stammt im Übrigen von @gromulus und ist hier zur Weiterverbreitung freigegeben!

Wieviel Spaß darf eine (Impro)probe machen?

Gerade wenn man nicht im professionellen Theater, also bezahlten Theater, arbeitet, steht man als Regisseur/Trainer irgendwie in der Pflicht auch unterhaltend zu sein. Nach der heutigen Probe in Eberswalde sagte mir ein Teilnehmer: „Soviel wie bei Dir, lache ich die ganze Woche nicht.“ Was für ein großartiges Lob.

Jedoch überlege ich auch, ob man aufpassen muss, dass über den ganzen Spaß nicht die Technik und das Handwerk verloren geht. Zum einen will ich unbedingt positives, offenes Handeln auf der Bühne vermitteln, damit sie wirklich improvisieren lernen. Zum anderen führt dies dazu, dass ich ständig unterbreche und Theorie predige. Noch ist es ein Mittelweg, doch es gilt wohl aufzupassen, nicht den Spaß zu töten aber auch nicht die Technik fallen zu lassen.

Spaß und Ernst gilt es eng aneinander zu bringen. Aber vielleicht sehe ich das auch zu Deutsch und Ernst versteht sich mit Spaß super gut. Ich werde den Weg weiter gehen und sehen in welche Richtung es zuerst kippt 😉

Ein-Wort-Geschichten

Das Improvisieren von Ein-Wort-Geschichten zeigen uns deutlich, wie sehr wir an unseren "tollen" Ideen hängen. Denn einer aus der Ein-Wort-Runde wird etwas einbringen, dass unsere tolle Idee unmöglich macht. Egal ob mit Absicht oder nicht, aber die eigenen tollen Ideen werden einfach kaputt gemacht.
Was kann man also aus Ein-Wort-Geschichten lernen? Man kann lernen, nicht mehr an den eigenen Ideen zu hängen, als wären sie der Stein der Weisen. Demut lernen wir, wenn wir die Ein-Wort-Geschichte beherrschen.

Was gehört in einen Impro-Schnupperkurs?

Die Freie Studentenbühne Eberswalde ist am Anfang eines jeden Semester immer wieder für die Aufnahme neuer Mitspieler bereit. Seit das Studium auf Bachelor und Master umgestellt wurde, haben die Studenten vermeintlich weniger Zeit, worunter als erstes ihr Engagement rund um das Studentenleben leidet. Das merken nicht nur die Gremien, sondern auch Theater- und andere Hochschulgruppen.

Deswegen haben wir uns dieses Jahr etwas besonders überlegt und bieten die nächsten 4 Wochen für die ersten 90 Minuten unserer wöchentlichen Proben einen kostenfreien Workshop an. Gestern hieß es also zum Einstieg: Schnupperkurs Improtheater. Es waren sechs interessierte Studenten erschienen und ich hatte mir folgenden kleinen Workshop überlegt.

0. Einführung: Was ist Improtheater?

1. Ankommen und WarmUp
Hier ging es mir um leichte körperliche und geistige Erwärmung, die ich mit dem Lernen der Namen verbunden habe. (Wenn es nicht mindestens 2 Namensspiele gibt, bin ich völiig aufgeschmissen.) Nach einem Raumlauf, wobei der erste sanfte Körperkontakt provoziert wurde, ging es in die ersten schauspielerischen Handlungen.

2. Gruppenbildung und Selbsterfahrung
Unter diesem Punkt war mir wichtig, dass man sehen kann, was andere über einen denken (Wir haben einen Vorstellungskreis abgehalten, in dem jeder seinen nur mit Namen bekannten Nachbarn vorstellen sollte – sehr unterhaltsam.). Und als zweiter sehr wichtiger Schritt für die Improvisation stand noch eine Übung zum Akzeptieren auf dem Plan – hierbei ging es mir besonders um die Einführung des Begriffs.

3. Was kann ich?
Der dritte Abschnitt war etwas länger geplant und bestand dann "nur" aus zwei Übungen, bei denen es einmal um Ideen und starke emotionale Reaktionen ging. Hier wollte ich zeigen, dass wir es in der Hand haben, wie gut wir mit dem anderen spielen und wirken. Und zum zweiten um Stress und wie gut wir mit unseren Mitspielern kommunizieren müssen.

4. Auf die Bühne!
Zum Abschluss haben wir unter Ortsvorgaben begonnen kleine Szenen zu spielen, langsam Schritt für Schritt. Dabei konnten die Begriffe und Konzepte von "Zug um Zug", "Angebote", "Veränderung" und "Beat" aufgezeigt werden.

Damit waren die 90 Minuten mehr als ausgereizt und wir setzten uns noch für eine kleine Abschlussrunde zusammen. Mit dem Workshop bin ich so ganz zufrieden, denn ich glaube, damit die wichtigsten Impro-Konzepte auf unterhaltsame Weise vermittelt zu haben.

Die Abschnitte 1 bis 4 sind übrigens von Radim Vlceks Buch "Workshop Improvisationstheater" inspiriert.

Zu viele Ideen verderben den Brei

Wenn man Impro unterrichtet, dann versucht man anfänglich die Kreativität und Spontanität der Schüler zu wecken. Einfacher ist es, wenn die Schüler selbst voller Ideen stecken und diese wie ein lebendiger Quell sprudeln. Jedoch kann es auf der Bühne schwer werden, wenn eine Idee die andere jagt und sie beginnen sich gegenseitig auszulöschen. Besonders faszinierend finde ich das Phänomen, wenn spritzige Einfälle gleich wieder vom Tisch gewischt werden. "Ich könnte auch einfach behaupten, Du bist der Mörder. Aber nein, ich bin schuldig, hängt mich!."

Wenn es ein Witz ist, der seine Zeit als Pointe bekommt, mag das funktionieren, wenn nicht, werden alle wuschig. Wie ist so einer Ideenfülle zu begegnen? Mehr Übung im Zug um Zug spielen?