Künstler haben keine Hobbys

In der letzten Folge von FrequenzKultur äußerte ich die steile aber auch nicht abwegige These, dass Künstler keine Hobbies haben. Wie kam es dazu? Wir sprachen über Nebenjobs für Kulturschaffende und Künstler und darüber, welchen Nebenjob man sich vielleicht suchen sollte und wovon man besser die Finger läßt. In diesem Zusammenhang kamen wir auch auf die KSK zu sprechen. Ich denke auch diese Diskussion ist spannend anzuhören. Den Link zum Podcast findet ihr hier: http://frequenz9.blogspot.com/2011/08/frequenzkultur-kunstler-haben-keine.html

Philipp Wimmer hatte zwei Tage später zur These "Künster haben keine Hobbys" einen Audiokommentar abgegeben, der ebenfalls hörenswert ist: http://toheselue.com/post/8826964300/toheselue-164-kuenstler-haben-keine-hobbies

Um der Diskussion etwas mehr Hand und Fuß zu geben, möchte ich auf eine grundlegende wissenschaftliche Arbeitsweise zurückgreifen und die Begriffe definieren. Die entscheidende Frage ist ja, wer oder was ist ein Künstler und was ist ein Hobby.

Die Wikipedia schreibt (18.08.2011): "Als Künstler werden heute meist die in der Bildenden Kunst, der Angewandten Kunst, der Darstellenden Kunst sowie der Literatur und der Musik kreativ tätigen Menschen bezeichnet, die Kunstwerke schaffen." Es sind also Menschen, die malen, gestalten, Theater spielen, singen, schreiben, musiszieren und noch einiges mehr. Diese Tätigkeiten führt aber auch ein Großteil der Bevölkerung in seiner Freizeit durch. Ob es das Aquarellieren im Garten, das Spielen in einer Laienspielgruppe, das Singen in einem Schulchor, das Geschichtenschreiben im privaten Weblog oder das Musizieren im Feuerwehrorchester ist, all jene Mensche, die soetwas tun, würden wir nur bedingt als Künstler bezeichenen.

Das die Definition schwer ist, zeigt schon der Blick in den Wikipediaartikel, der sich auf die gesetzliche Formulierung des Begriffes stütz: „Künstler im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt. Publizist im Sinne dieses Gesetzes ist, wer als Schriftsteller, Journalist oder in anderer Weise publizistisch tätig ist oder Publizistik lehrt.“ Zitiert aus § 2 Gesetz über die Sozialversicherung der selbständigen Künstler und Publizisten.

Ich würde die Definition wie folgt verändern, um sie für die Diskussion handhabarer zu formulieren:

„Künstler ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt sowie als Schriftsteller, Journalist oder in anderer Weise publizistisch tätig ist oder Publizistik lehrt und damit maßgeblich seinen Lebensunterhalt bestreitet oder bestreiten will bzw. könnte.“ Der aktive Versuch als Künstler zu arbeiten und zu leben, sollte einen Künstler ausmachen. Das hinzugefügte "könnte", soll zeigen, dass es auch Menschen gibt, die neben einer Erwerbstätigkeit Kunst schaffen, davon auch unter Umständen leben könnten (also als Künstler anerkannt sind) aber dies nicht wollen – sie sind trotzdem Künstler.

Kommen wir nun zum Begriff Hobby:

Die gute Wikipedia sagt: "Ein Hobby (Plural: Hobbys) oder Steckenpferd ist eine Lieblingsbeschäftigung. Ein Hobby ist somit im Gegensatz zu Arbeit eine Tätigkeit, der man sich nicht aus Notwendigkeit, sondern freiwillig und aus Interesse, Faszination oder sogar Leidenschaft unterzieht. Die Tätigkeit bringt Vergnügen, Spaß oder Lustgewinn mit sich. Dabei ist mit Arbeit nicht ausschließlich Erwerbsarbeit (Beruf) gemeint." 

Das heißt also, ein Hobby wird "freiwillig und aus Interesse, Faszination oder sogar Leidenschaft" ausgeübt. Unter diesem Verständnis kommt es dann zu der These: Künstler haben keine Hobbys. Denn wer Künstler ist, sollte seine Kunst doch mit Interesse, Faszination und Leidenschaft ausüben, oder einfach etwas anderes machen. 

Der Duden (der auch die deutsche Pluralschreibweise Hobbys vorgibt) aber definiert Hobby als: "Ausgleich zur täglichen Arbeit gewählte Beschäftigung, mit der jemand seine Freizeit ausfüllt und die er mit einem gewissen Eifer betreibt". Definiert man es so rum, kann man vielleicht sogar spitzfindig sagen, dass alle Künstler ein Hobby, nämlich ihre Kunst, die ihnen als Ausgleich zur täglichen Arbeit (Hausarbeit, Leben und Sein) dient und deren sie ihre Feizeit ausfüllen.

Wer aber einer Kunst mit der notwendigen Kraft und Zeit nachgeht, sollte und wird sie in der Regel so lieben, dass es keiner weiteren "Freizeitbeschäftigung" bedarf (die sprichwörtlichen Ausnahmen gibt es sicher auch hier). Deshalb haben Künstler keine Hobbys!

(Einer Sammlung Eurer Hobbys sehe ich mit Freude in den Kommentaren entgegen… 😉

 

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