Impro hat sich entwickelt

Impro hat sich entwickelt. Das wurde mir heute klar vor Augen geführt. Die Jubiläumsshow zu 20 Jahren IMPRO Amsterdam führte die Zuschauer anhand von Artefakten und Geschichten zurück zu den Anfängen des Festivals. Zu diesen Artefakten und Geschichten wurden dann Szenen gespielt, die nicht Theatersportiger hätten sein können. Die Spieler, erfahrene Improvisierer, waren plötzlich verkrampft, uninspiriert und dumpf. Sie konnten mit diesen starren Formen nur schwer umgehen und glänzten lediglich in den Momenten, in denen sie sich von den Vorgaben freispielten.

Ich bin so froh, dass Impro sich entwickelt hat!

Was ist der Unterschied zwischen Impro und Religion?

Die Frage nach dem Unterschied zwischen Impro und Relegion hat mir gestern Isolde Fischer von Drama Light auf dem IMPRO Amsterdam Festival gestellt. Aus dem Stand hatte ich dazu keine Antwort, aber die Frage lässt mich nicht los.

Das Improvisation mit Religion verglichen wird, kommt öfter vor, als ich gedacht hätte. So ergab eine kurze Suche bei Googel einige interessante und verstörende Treffer. Macro machte mich gar auf die Church of Improv aufmerksam. Ihre sieben „Glaubenssätze“ sind gar das einzige, was man auf ihrer Homepage findet. Hier ist also Eifer ausgebrochen…

Gemeinsamkeit zwischen Religionen und Improvisation lassen sich nicht von der Hand weisen. Beide versprechen ein besseren Lebens (das Heilsversprechen), sie haben einen universalen Anspruch (für Improvisation stimmt das auf jeden Fall), es gibt ein hohes Suchtpotenzial, sie spenden Trost und es gibt verschiedene Propheten mit ihren Ansprüchen als einzige die eine einzig wahre Lehre zu verbreiten.

Lukas Cranach: Adam und Eva im Paradis / Quelle Wikimedia

Der erster Unterschied, den ich benennen wollte ist, dass man an Religionen glauben muss, aber bei der Improvisation kann man Tools lernen, die einen bestimmten Effekt hervorbringen. Wenn man will, lässt sich das aber mit den Ritualen in den Religionen gleichsetzen. Hier erlernt man auch Techniken, die Auswirkungen auf die Menschen haben – der Unterschied scheint nicht besonders groß.

Der große Unterschied ist, soweit ich es im Moment sehe, dass Improvisation keine Antwort auf das Unbekannte nach dem Tod bereit hält. Für Improspieler geht es inhaltlich nach dem Tod oft weiter, denn man kann schließlich überall weiter machen. Aber Impro hat nicht den Anspruch, zu wissen, was da kommt. Impro sagt nur: Wenn da etwas ist, dann ist die Fähigkeit improvisieren zu können, sicher hilfreich.

Amen!

Fragen in Amsterdam

Im gestrigen Artikel suchte ich noch nach den Fragen, welche wir in den nächsten Tagen den Spielern und Teilnehmern_innen des IMPRO Festivals Amsterdam stellen sollten. Auf der Anreise heute hatten macro und ich endlich Zeit ein paar der Fragen zu formulieren. Sicher werden wir es erst nach den ersten Interviews wissen, wie wir genau fragen müssen, aber es gibt schon Ideen für das Auftreffen von Improjournalie auf Improvisierer_innen:

Wir wollen natürlich über das IMPRO Festival in Amsterdam sprechen, dass es nun im 20. Jahr gibt. Für ein Theaterfestival und besonders im Bereich Impro ist das eine ziemliche Hausnummer. Hier ist es rein historisch interessant, ob und welche Auswirkungen das Festival auf die Szene in Amsterdam und auch Europa hatte und hat. Das es nicht ohne Beachtung ist, zeigt sicher schon allein unsere Anwesenheit – denn gängig ist es sicher nicht, dass extra jemand anreist, nur um von einem Improfestival zu berichten.

Was die internationalen Gäste des Ensembles betrifft, ist für uns sehr interessant zu erfahren, an welchen Projekten sie arbeiten. Vielleicht lässt sich hier gar eine Entwicklung hin oder weg von bestimmten Formen sehen.

Selbstverständlich wollen wir ein Festival wie dieses auch als Branchentreffen oder Congress begreifen, denn schließlich hat man oft nur auf solchen Events die Gelegenheit einen Vertreter eines Landes und damit der dortigen Improszene zu treffen. Wie tickt die Szene da? Was sind dort die Themen und Formen, die im Fokus stehen? Europaweit lassen sich Entwicklungen hin zu eigenständigen Spielorten, die sich der From Improtheater verschreiben, erkennen. Welche Dynamiken das auslöst, wird in den kommenden Jahren zu beobachten sein. Auf der einen Seite ist es gut, dass es Orte gibt, an denen Improtheater gepflegt und entwickelt wird, aber man kann andererseits darin auch eine Ablösung vom „normalen“ Theater erkennnen – jedoch sind Impro- und „Proben“-theater ungleiche Geschwister, die viel voneinander lernen könnten.

Und schließlich bleibt für uns alle, die Impro spielen, die große Herausforderung, wie wir die Form dem Publikum besser näher bringen – besonders in seiner großen Vielfalt, wie sie auf einem Festival, wie hier in Amsterdam, gezeigt wird.

Auf nach Amsterdam

Morgen in aller Frühe breche ich auf nach Amsterdam. Da findet seit heute dem  26.01.2015 das internationale IMPRO Amsterdam Festival statt. Mit meinem Kollegen macro von Impro-News.de werden wir ausführlich von den Shows berichten und wir hoffen auch, eine Vielzahl an Interviews in Ton und Bild mit den internationalen Gästen aufnehmen zu können.

Unser Plan ist, dass wir jeden Tag mindestens einen Beitrag für Impro-News schreiben. Meine persönliche Zielmarke ist aber, dass wir nicht nur einen Artikel, sondern auch ein Interview veröffentlichen und ich es schaffe, hier auf meinem persönlichen Blog noch Erlebnisse und Erfahrungen festzuhalten.

Ich weiß, dass ist viel, was ich da will. Aber wir nehmen keine Workshops, sondern werden uns tagsüber sehr aufs Schreiben und Veröffentlichen konzentrieren. Die Fragen, die sich uns dabei stellen sind: Welche Besonderheiten interessieren die Impro-News-LeserInnen, die ja ein Fachpublikum sind? Was interessieret Zuschauer, die nicht selbst Impro spielen? Wie können wir diese wunderbare Kunstform auch für Theatergänger und die breite Masse öffnen? Sicher, man muss diese Zielgruppen unterschiedlich ansprechen, doch bleibt die Frage wie. Ein wenig hoffe ich, dass wir vielleicht auch da ein paar Erkenntnisse aus Amsterdam mitbringen. Schließlich ist es das erste Mal, dass ich fast eine Woche zu einem Festival fahre und von dort ausschließlich berichten werde.

Ich bin also hoch gespannt und motiviert!