Nutzer vermissen Orientierung – Überlegungen zum Bloggen auf theaterblogs.de

Durch einen Artikel in wirtschaft+weiterbildung (01.2008) bin ich auf eine allgemene Frage zum Thema Web 2.0 gestoßen. Diese Frage betrifft mich als Blogger hier bei theaterblogs und wie ich finde die Gemeinschaft (Community) bei theaterblogs.de gleichfalls.

Der Artikel heißt: Kritik am Web 2.0: User vermissen Orientierung. Darin wird über den Hirnforscher und Psychologen Prof. Dr. Peter Kruse berichtet, der im Sommer 2007 150 Personen in mehrstündigen Tiefeninterviews zu ihrer Internetnutzung befragte. Er fasst dem Artikel nach die Studie wie folgt zusammen: "Die Befragten kritisieren mit überraschender Deutlichkeit die für das Web 2.0 typischen Angebote mit weitgehend ungefilterte, nutzergenerierten Inhalten als viel zu banal und viel zu oberflächlich." Weiter wird er mit der Schlussfolgerung zitiert: "Auch wenn das tatsächliche Konsumverhalten oft noch eine andere Sprache spricht, suchen die Menschen verstärkt nach Medien, die sie dabei unterstützen, sich zurechtzufinden und Zusammenhänge zu verstehen."

Also Autor eines Blogs stelle ich mir nun die Frage, warum man meine Einträge liest oder eben nicht. Und ob das, was ich schreibe dazu beiträgt, sich zurechtzufinden und Zusammenhänge zu verstehen. Gut, ein Blog ist als Tagebuch entstanden (das Logbuch) und so nutze ich es auch – zum Beispiel schreibe ich gern über meine Theatererlebnisse als Zuschauer. Natürlich mache ich auch Werbung für meine Projekte und Auftritte – sowohl in der Vor- wie Nachbereitung. Über den reinen Tagebuchcharakter, den Erlebnisbericht hinaus, versuche ich aber ab und zu Theatertheoretisches (hier besonders mit dem Schwerpunkt Impro) zu betrachten und mir eine Meinung darüber zu bilden.

Das Web 2.0 wird sehr für seinen Vorzug gelobt, Nutzer mit den gleichen Interessen zu verbinden. Die Community theaterblogs ist genau so eine Verbindung – eben von Theaterleuten. Dieser Umstand macht den Reiz des Portals aus. Es ist mir bereits zur Gewohnheit geworden, nach dem obligatorischen E-Mail-Check bei theaterblogs vorbeizuschauen und die neusten Einträge zu lesen. Dabei lese ich beinahe alles – wobei es Themengebiete gibt, die ich lieber lese als andere: Besonderes Texte aus dem Schauspieleralltag, Theatertheoretisches, Probenberichte sowie praktische und rechtliche Hinweise. Und was lese ich nicht so gern: Zusammenhangsloses, unmotivierte Werbetexte, künstlich verquastes und Dinge die aber auch überhaupt nichts mit Theater zu tun haben. (Selbstverständlich hängt mein Interesse auch von den Schreibkünsten und meiner persönlichen Einstellung zum Autor ab.)

Die Frage, warum ich die einen lieber lese als die anderen, ist tatsächlich in der eingangs erwähnten Feststellung beantwortet. Die "guten" Texte helfen sich zurechtzufinden und Zusammenhänge zu verstehen. Und irgenwie liegt darin auch der "Sinn des Erfinders" : Theaterblogs.de soll den Lesern auch Einblicke ins Theaterleben und -schaffen vermitteln. Dabei ist es sicher so, dass je mehr Wert auf den Inhalt in den einzelenen Blogs gelegt wird, desto mehr steigt auch der "Gesamtwert" des Portals.

Vielleicht können wir als Nutzer bewußter dazu beitragen? Man könnte beispielsweise eine Bewertungsmöglichkeit für die Artikel einführen oder größere Kategorien, in die man bestimmte Artikel oder Blogs einsortiert. Es gibt ja bereits Themen- sowie Watchblogs im Portal.

Das Potential von theaterblogs.de ist meines Erachtens riesig und ich würde gern helfen, dessen Ausbau voran zu treiben. Denn ich glaube, dass wir eher früher als später erkennen werden, dass sich die Leser (besonder theateraffine) am Ende mehr für Informationen als für belangloses Entertainment (dass NIE verschwinden wird) entscheiden. Vielleicht können gerade wir, die wir von und für Kunst und Kultur, Sprache und Inhalt leben, dazu beitragen den Gehalt im Internet etwas zu verbessern.

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2 Gedanken zu “Nutzer vermissen Orientierung – Überlegungen zum Bloggen auf theaterblogs.de

  1. Hallo Thomas, vielen Dank für Deine richtig guten Ideen. Ich denke, es ist auf der einen Seite wichtig, dass theaterblogs.de genauso frei bleibt, wie bisher: ohne Filter und dazwischengeschaltete Administratoren.

    Auf der anderen Seite wäre es natürlich wirklich schön, wenn man bestimmte Beiträge auf der Portalseite in verschiedenen Kategorien „sammeln“ könnte, damit Leser sich besser zurechtfinden können.

    Aber: das ist auch eine Frage des Geldes. theaterblogs ist ja kostenlos für alle Nutzer und werbefrei. Aber natürlich verursacht es Kosten, die momentan bei ca. 10.000 Euro pro Jahr liegen – und in Gänze von http://www.theaterjobs.de getragen werden – also alle schnell beitreten!! ;-).

    Eine weitere redaktionelle Bearbeitung oder neue Programmierungen (z.B. ein Bewertungssystem einfügen) würden die Kosten erheblich steigern. Ernstgemeinte Frage: hat einer eine Idee, wie das finanziert werden könnte?

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  2. Hallo Sören,

    auf alle Fälle will ich nicht, dass sich jemand in die Veröffentlichungen der Blogger einmischt. Mein Wunsch wäre nur, dass sich jeder seiner Verantwortung – besonders als Autor bewusster wird. Viele sind das sich ja auch bereits!

    Das theaterblogs.de soviel Geld kostet, hätte ich nicht gedacht – Wahnsinn, was ihr da stemmt. Besonders die Werbefreiheit ist eine Sache, die erst auffällt, wenn man sich Ihrer bewusst wird… Es gibt natürlich Ideen, wie man Euch etwas zurück geben könnte von dem Geld, dass ihr investiert. Vielleicht kann man ja eine Spendenaktion für theaterblogs.de ausrufen? Da kommen sicher keine 10.000 Euro zusammen – aber wer weiß?

    Was das Bewertungssystem betrifft, so gibt es für WordPress ein Plugin: http://lesterchan.net/wordpress/readme/wp-postratings.html
    Vielleicht kann man mit dessen Hilfe eine Top-Ten erstellen ohne riesige Programmierungsanstrengungen.

    Und wie gesagt, vielleicht können wir Theaterblogger auch zur Verbesserung unseres Portals beitragen.

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