„Das letzte Band“ und Herr Otto Sanders

oder

Komödienpublikum in einem Drama

(Nachgedanken zur Aufführung vom 19.10.2007) Das alte rotgetäflete Renaissancetheater war gut besucht an diesem Freitag Abend. Otto Sanders war angekündigt Krapp in Becketts Stück "Das Letzte Band" zu geben. Eine gute Wahl könnte man meinen, da Sanders unverkennbare Stimme in diesem monologischen Zwiegespräch zwischen einem Mann und seinem Tonbandgerät zu ungeahntem Facettenreichtum führen könnte. Ja leider muss man sagen "führen könnte" – denn entweder lag es an einer unpräzisen Regie oder einem unpräzisen Schauspieler, dass der sandersche Krapp nicht die Tiefen des Stückes auszuloten vermochte.

Gerade bei diesem so verdichteten Stück, in dem die Antworten oft vor den Fragen ausgesprochen werden, kommt es auf jede noch so kleine Bewegung an. Aber vielleicht war es auch zu einfach… noch nie habe ich erlebt, dass in diesem Stück so viel gelacht wird. Und Sanders genoss es sichtlich. Schade, denn wie schnell sind die feinsten Momente überlacht, die Bitterkeit ironisiert und die Tragik zur Narretei verdreht. Bei wem der Ursprung des Gelächter war, ist schwer zu sagen, ich tippe aber auf das Theaterpublikum, was lachen wollte. Vielleicht wäre es in einem anderen Theater anders gelaufen…

Es war kein schlechter Abend und keine schlechte Aufführung – aber doch, ich hätte von Otto Sanders mehr erwartet. Er ist ein guter Schauspieler. Krapp or crap…

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s